DEL2-Aufsichtsrat Dr. Merten im Interview: "Wir haben hohes Potenzial"
Dr. Peter Merten ist Vorstand der KSPG Gruppe, einem global agierenden Automobilzulieferer, der bei den Heilbronner Falken als Sponsor und Namensgeber der Arena fungiert. Seit einer Woche ist Dr. Merten nun offiziell neuer Aufsichtsratsvorsitzender der DEL2. Im Interview mit EishockeyNEWS spricht er über seine neue Aufgabe, seine Ziele und die Zukunftsvisionen für die neue Ligengesellschaft.
Herr Dr. Merten, Sie sind nun auch offiziell neuer Aufsichtsratsvorsitzender der DEL2. Was bedeutet Ihnen dieses Amt?
Dr. Peter Merten: „Ich bin stolz darauf, dass die DEL2-Clubs mir und dem Aufsichtsrat das Vertrauen ausgesprochen haben. Aber wir wissen auch, dass jetzt einiges auf uns zukommt.“
Was kommt denn genau auf Sie zu?
Dr. Merten: „Die neuen Strukturen müssen nun gemeinsam mit der DEL und dem DEB mit Leben gefüllt werden. Dabei liegen uns drei zentrale Themen am Herzen: Standorte entwickeln, den Nachwuchs fördern und die Nationalmannschaft stärken. Um Standorte zu entwickeln, gilt es, die Stadion-Infrastruktur weiter zu verbessern. Wir müssen Standards etablieren und so das Niveau insgesamt anheben. Der Nachwuchs muss unkompliziert zwischen den Ligen wechseln können. Dazu bedarf es einer engen Kooperation zwischen den DEL- und DEL2-Clubs aber auch den Oberligen. So wollen wir die professionelle Eishockey-Basis verbreitern. Davon profitiert letztlich auch die Nationalmannschaft als Aushängeschild für unseren Sport.“
Sie sind ein vielbeschäftigter und äußerst erfolgreicher Unternehmer. Was was war ihr Beweggrund, nun im Eishockey eine derartige Funktion zu übernehmen?
Dr. Merten: „Ich war früher selbst lange Leistungssportler in der Leichtathletik bei Salamander Kornwestheim. Als Jugendlicher haben viele Menschen in mich investiert - Zeit, Geld und Know how. Davon möchte ich jetzt etwas zurückgeben - auch wenn es eine Zusatzbelastung ist.“
Es gibt viele Themen, die gerade den Fans unter den Nägeln brennen. Nehmen wir mal die Auf- und Abstiegsfrage. Wie stehen Sie dazu?
Dr. Merten: „Wir haben uns in Sachen Auf- und Abstieg auf drei bis fünf Jahre für eine Durchlässigkeit zwischen DEL und DEL2 verständigt. Dafür müssen wir die DEL2 weiter professionalisieren, es müssen die Schnittstellen in Sachen Stadien und Strukturen angepasst werden und eine - auch wirtschaftliche - Annäherung der beiden Ligen stattfinden. Dabei ist auch die DEL gefordert, den einen oder anderen Schritt auf uns zu zumachen."
Was sehen Sie als Ihre wichtigste Aufgabe in den kommenden Monaten?
Dr. Merten: „Viele Leistungen werden ja bereits von der DEL mit übernommen. So nutzen wir schon jetzt Synergien in Sachen Spielbetrieb und Kommunikation. Diese Zusammenarbeit soll weiter intensiviert werden. Zudem stehen Gespräche über das Budget an. Außerdem soll die Lizenzprüfung analog der DEL stattfinden - natürlich nicht mit dem gleichen Anforderungen, aber mit dem gleichen Prozess.“
Der Streit im Sommer war lang und nervenaufreibend, nun wurden endgültig die Weichen für die Zukunft gestellt. Wie sehen Sie die Zukunft der DEL2?
Dr. Merten: „Wir haben jetzt im deutschen Eishockey endlich klare Strukturen und Verantwortlichkeiten. DEB, DEL und alle Clubs bilden eine Klammer, die tragfähig ist. Schauen Sie: Es gibt rund sieben Millionen aktive Fußballer in Deutschland, aber nur rund 25.000 aktive Eishockey-Spieler. Trotzdem haben wir die Chance, unseren Sport als die Nummer zwei in Deutschland zu etablieren. Wir glauben, dass das Potenzial dafür vorhanden ist. Schließlich kommen rund vier Millionen Zuschauer im Jahr zu den Spielen der DEL, der DEL2 und in den Oberligen. Das zeugt von einer hohen Attraktivität. Unser Ziel ist es, unseren Sport noch breiter in der Öffentlichkeit zu platzieren. Die Voraussetzungen dafür sind gut. Schließlich sind DEL und DEL2 nun flächendeckend in ganz Deutschland vertreten.“
Wie wird die Zusammenarbeit zwischen Aufsichtsrat und der Geschäftsführung aussehen?
Dr. Merten: „In der Startphase werden wir mit Detlef Kornett sicher öfter telefonieren. Danach wird die Geschäftsführung weitestgehend selbständig ihre Aufgaben erfüllen. Wichtige Themen werden im Aufsichtsrat besprochen. Für uns alle gilt aber: Die Clubs müssen und werden stets in die Prozesse und Entscheidungen mit eingebunden werden. Denn der Rückhalt der Gesellschafter ist für uns alle wichtig."
Schauen wir abschließend noch kurz auf Ihren „Heimatverein“ Heilbronn. Das Jahr 2013 würden Sie wohl am liebsten streichen, oder!?
Dr. Merten: „Ein wahrer Fans steht zu seinem Team in guten wie in schlechten Zeiten. Ich bin sicher, wir werden bald schon wieder mehr Freude an den Falken haben.“
Interview: Tobias Welck